Banner_e.jpg

Snorra Edda | Inhalt: Prolog

Snorris Werk beginnt mit einem kurzen Prologus, in welchem er die nordische Sprache und das heidnische Göttersystem in eine „gelehrte Urgeschichte“ der ganzen Menschheit einbindet. Den altskandinavischen Polytheismus deutet er mit einer euhemeristischen Sichtweise aus und bindet somit die Edda in das gelehrte-christliche Weltbild ein.
Der Prolog beginnt mit einem kurzen Abriss der biblischen Schöpfungsgeschichte bis hin zur Sintflut, nach welcher sich die Welt wieder bevölkert. Doch auch die neuen Geschlechter vergaßen den Namen Gottes; dennoch gab dieser ihnen Verstand, Besitz und Glück. Durch Naturbeobachtungen stellten sie fest, dass die Erde ein lebendiges Wesen von hohem Alter sein müsse. Von dem geregelten irdischen und kosmologischen Jahreslauf schlossen sie auf eine höhere Existenz. Zur Bewahrung und Weitergabe aller Erkenntnisse wurden den Dingen Namen gegeben, welche sich durch die Weiterentwicklungen und Verzweigungen der Sprachen vervielfachten und veränderten.
In diesem ersten Abschnitt über die primitive Elementenverehrung und natürliche Religionen (vgl. hierzu Isidor v. Sevilla, Hrabanus Maurus) sowie die Mikrokosmos-Makrokosmos-Analogie von Köper und Erde verweist Snorri bereits auf den nordischen Schöpfungsmythos im nachfolgenden Gylfaginning.
Weiter wird geschildert, dass die Asen-Götter in früherer Zeit Einwanderer aus dem fernen Troja gewesen seien, angeführt von Odin. Gestützt wird diese Einwanderungsthese durch die etymologische und genealogische Ableitung Asen-Asiaten (&sir – Ásíámenn), welche sich schon vor Snorri in Ari Thorgilssons Íslendingabók („Buch von den Isländern“) aus dem 12. Jh. findet.
In Schweden angekommen wurden die Reisenden von König Gylfi herzlich aufgenommen. Und überall wo sie sich aufhielten, herrschte Frieden und die Ernten waren üppig. Die Einheimischen glaubten in den Fremden die Verursacher dieser „Wohltaten“ zu sehen und begannen, sie aufgrund dieser sowie ihrer Schönheit und ihres Verstandes zu verehren.
Durch die Ausbreitung der Asen in der nordischen Welt verbreitete sich auch ihre aus Troja mitgebrachte Sprache, welche die herrschende Muttersprache („das Nordische“) wurde. Hiermit verweist Snorri bereits auf das noch folgende Skáldskaparmál.
Der Autor verortet also Herkunft und Sprache der Götter in Asien, womit eine Berechtigung gegeben ist, eine Poetik und Lehrbuch für Skalden zu verfassen; die nordische Sprache wird durch die Herkunft aus Troja (der Mitte der damals bekannten Welt) mit den klassischen Bibel- und Gelehrtensprachen Hebräisch, Griechisch und Latein gleichgestellt und ihre Verwendung legitimiert. Doch die Abkunft der heidnischen Götter aus Asien verbindet er die nordische Kultur mit dem christlich-gelehrten Abendland.
Auch die Ynglinga saga im Heimskringla erklärt die Geschichte der nordischen Stammväter auf diese euhemerisitische Weise.