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Die Sammlung der Götterlieder beginnt mit der Völuspá. In einem eindrucksvollen Visionsmonolog verkündet die Seherin (die völva), die tief in die Vergangenheit und weit in die Zukunft blickt, das Geschick der Welt, von ihrem Anfang bis zum Ende.
Die wichtigsten Ereignisse werden in großartigen Bildern beschrieben, auf die aber oft nur knapp angespielt wird. Der Inhalt muss also potenziellen Zuhörern als bekannt vorausgesetzt worden sein.

„Urzeit war es,
da Ymir hauste:
nicht war Sand noch See
noch Salzwogen,
nicht Erde unten
noch oben Himmel,
Gähnung grundlos,
doch Gras nirgend.“ (Str. 3)

Am Anfang gab es den Urriesen Ymir und sonst nichts. Die Gestirne waren unbestimmt, bis die Götter kamen und den Dingen ihre Namen gaben und die Zeit einrichteten. Sie fanden Ask und Embla (die ersten Menschen), denen sie Leben, Geist und Wärme gaben.
Am Weltenbaum, der Esche Yggrdasill lebten die drei Nornen Urd, Verdandi und Skuld, die den Menschen das Leben geben und die Lebenzeit zumessen.
Die Götter bringen den Krieg in die Welt, Baldr wird ermordet und bald gerächt. Loki wird gefesselt, Unheil kommt über die Menschen:

„...Schwertzeit, Beilzeit, Schilde bersten,
Windzeit, Wolfszeit, bis die Welt vergeht -
nicht einer will des anderen schonen.“ (Str. 37)

Lieder Edda | Götterlieder: Völuspá