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Der CR weist eine redaktionell geprägte Anordnung der Texte auf: die Götterlieder beginnen mit dem Visionsgedicht (Völuspá, Die Weissagung der Seherin), es folgen drei Odinsgedichte (Hávamál, Vaƒþrúdnismál, Grímnismál), dann ein Lied über Freyr (Skírnismál), vier Lieder über Thor (Hárbarðsljóð, Hymiskviða, Lokasenna und þrymskviða), abschließend folgen das Wölund-Lied (Völundarkviða) und das Alwis-Lied (Alvíssmál)

Die den Götterliedern nachfolgenden Heldenlieder lassen eine Anordnung noch stärker erkennen: sie sind chronologisch und biografisch angeordnet. Es beginnt mit den Liedern von Helgi (der hier als Halbbruder von Sigurðr/Siegfried geführt wird), dem Haupthelden des Nordens, es folgt eine Übersicht über Sigurds Leben (Weissagung Gripirs, Grípisspá), es folgen Gedichte über seine Jugendtaten, seine Heirat mit Guðrun (der mittelhochdeutschen Kriemhilt), seine Ermordung, Gudruns Ehe mit Atil, der Untergang Burgunds, Atlis Ermordung durch Gudrun und abschließend der heldenhafte Tod ihrer beiden Söhne aus dritter Ehe, Hamðir und Söli.

Diese systematische Reihung sollte nicht den Blick darauf versperren, dass im CR hinsichtlich Gattung, Stil, Ton und Inhalt erheblich Unterschiedliches zusammengetragen worden ist: Ernst-Feierliches neben Burleskem, breit Ausgemaltes neben knapp Wuchtigem, Wissensvermittlung neben Elegischem, Überblickslieder neben Episodischem, Streitieder und Lieder die zur Rache auffordern.

Im Gegensatz zum altsächsischen Heliand oder dem altenglischem Beowulf bedient sich der Norden nicht der epischen Versform, sonder nutzt lange Prosaerzählungen - die Sagas.

Lieder Edda | Sprache & Aufbau