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Mit 164 Strophen handelt es sich hier um ein sehr umfangreiches Lied, jedoch handelt es sich hier nicht um solch ein stringent durchkomponiertes Werk wie die vorausgehende Völuspá, Die Sprüche des Hohen bestehen aus drei Teilen mit offenkundig unterschiedlicher Herkunft. Doch gerade in der jüngeren Forschung ist man bemüht, hier keine zufällige Reihenfolge, sondern auch die gewollte Arbeit eines Redakteurs nachweisen zu können. Gemeinsam ist diesen Stücken der Sprecher Hárr (der Hohe) sowie die Tatsache, dass diese Spruchdichtungen alle zur Wissensdichtung gerechnet werden können. Es beinhaltet praktische Verhaltensregeln und Lebensratschläge. Sie beziehen sich unmittelbar auf das Alltagsleben und den richtigen Umgang mit seinen Mitmenschen:

Eine bessere Bürde trägt man nicht auf dem Weg
als menschliche Weisheit;
besser als Gold scheint sie an unbekanntem Ort,
sie ist des Bedürftigen Zuflucht (Str. 11)

Der Verfasser gestaltete diese Lebensweisheiten prägnant im eingängigen ‚Liedton“ (dem gängigen Versmaß für Wissens-, Lehr- und Zauberdichtung) und schwört dabei auch großartige Bilder herauf. Den durchaus hohen Bekanntheitsgrad, den auch dieses Lied hatte, zeigt sich u.a in der Verwendung der berühmten Strophen 76 und 77 im Hákonarmál des Skalden bEyvindr skáldespillir:

Vieh stirbt, Verwandte sterben,
man selbst stirbt ebenso;
aber der Ruf stirbt niemals dem,
der sich guten erwirbt.

Vieh stirbt, Verwandte sterben
man selbst stirbt ebenso;
ich weiß eines, das niemals stirbt:
das Urteil über jeden Toten.

Lieder Edda | Götterlieder: Hávamál - Die Sprüche des Hohen