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Im Mittelalter wurde unter dem Begriff ‚Edda’ lediglich die des Snorri Sturlusons verstanden. Da in ihr verschiedene Strophen aus Götter- und Heldenlieder verarbeitet waren, gingen schon die isländischen Humanisten des 16. und 17. Jh. davon aus, dass Snorri ein älteres Werk zugrunde gelegen haben muss.
1643 gelangte der isländische Bischof Bryniólfur Sveinsson von Skáholt (1605-1675) in den Besitz einer Hs., in der man das Werk des isländischen Gelehrten Sämund dem Weisen (1056-1133) zu erkennen glaubte und welche als Grundlage der SnE angesehen wurde. Somit bürgerte sich der Name Sämunder-Edda ein; dies ist jedoch nicht korrekt, da inzwischen nachgewiesen konnte, dass Sämund nicht als Verfasser der Edda gesehen werden kann. 1622 gelangte die Liedersammlung in die Königliche Bibliothek Kopenhagen (Gks 2365 4°) und wurde unter dem Namen ‚Codex Regius’ bekannt, welchen sie noch heute trägt. Inzwischen liegt der Codex im Isländischen Handschrifteninstitut in Reykjavík (Stofnun Árna Magnússonar á Íslandi).
Niedergeschrieben wurde der Codex Regius um 1270 von nur einem Schreiber, welcher sich aber auf eine verlorene schriftliche Vorlage gestützt haben dürfte, welche auch in das 13. Jh. datiert wird. Er besteht aus 45 Blättern in 6 Lagen, im 16. oder 17. Jahrhundert ging eine Lage von acht Blättern verloren, die zu den Heldenliedern gehörte und ein oder mehrere Lieder über den Sigurd-Stoffkreis beinhaltete.

Neben dem Codex Regius sind aber auch noch einige altnordische Dichtungen erhalten, welche inhaltliche, sprachliche und formale Ähnlichkeiten mit den Liedern der Edda aufweisen. Diese werden von der Wissenschaft als ‚eddische Dichtung’ oder nach der maßgeblichen Ausgabe von Heusler und Ranisch als ‚Eddica minora’ bezeichnet. Neben der bereits erwähnten SnE finden sich auch viele Strophen der Lieder in der Völsunga saga, der prosaischen Vertextung der Lieder-Edda. Auch einige Runeninschriften zählen zu dieser Dichtung, Verwendung fanden sie auch immer wieder in den Versen der Skalden und auch in einigen Texten der isländischen Rechtssprechung sowie in historischen Werken finden sich Zeugnisse eddischer Dichtung. Sie alle können die Überlieferungen des Codex Regius jedoch nur ergänzen.

Lieder Edda | Überlieferung