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Dieses, eher rau und rustikal angehauchte Götterlied, ist das letzte der Odin- und zugleich das erste der Thorlieder. Die Handlung spielt sich im beliebten Rahmen des Streits zwischen Fährmann und Reisendem, dem parodistischen Männervergleich und Rededuell, ab. Odin, als Fährmann Harbad und der um Überfahrt verlangende Thor beginnen einen schwankhaften Streit. Während Odin sich mit seinen vielen Kriegstaten und sexuellen Abenteuern brüstet, schildert Thor seine zahlreichen Kämpfe gegen die Riesen. Eine Veröhnung Thors wird im Laufe des Liedes jedoch immer deutlicher; am Ende weigert der Fährmann sich, solch einen ‚Barbaren’ überzusetzen, Thor muss sich zu Fuß auf den Heimweg machen.

Ich war im Osten und verteidigte den Fluss,
als die Söhne Swarangs mich angriffen;
Steine warfen sie auf mich, des Sieges wurden sie jedoch wenig froh;
denn sie mussten mich zuerst um Frieden bitten.
Was tatest du inzwischen, Harbard?

Ich war im Osten und unterhielt mich mit einer,
ich scherzte mit der Leinenweißen und hatte eine heimliche Zusammenkunft,
ich machte die Goldglänzende froh das Mädchen schätzte sie Liebeslust. (Str. 29-30)

In diesem Lied wird die gesellschaftliche Differenzierung des Gottes Odin (Krieger, Dichter, Zauberer) zum Bauerngott Thor deutlich gemacht, da Thors ‚Arbeit’ nicht ernst genommen wird. Sichere Rückschlüsse auf altnordische Gesellschaftverhältnisse lassen sich hieraus jedoch nicht ziehen.
Durch die Mischung verschiedener Versmaße (Liedton und Versmaß für alte Erzählungen)
ohne erkenntliches Muster, bekommt das Lied eine eigenartige Form; häufig kommen die Verse der Prosa sehr nahe. Diese unregelmäßige Struktur ist aber kein Garant für eine ältere Datierung des Liedes, es dürfte wohl im 13. Jh. entstanden sein.

Lieder Edda | Götterlieder: Harbardlied