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Auch dieses Odinlied der Edda gehört zur mythologischen Wissensdichtung, in dessen Zentrum der Gott, diesmal mit dem Decknamen Grimnir, einen Monolog hält, welcher sich fast auf 50 Strophen erstreckt. Eingerahmt wird es durch zwei kürzere Prosastücke, die in der Geschehen einführen, bzw. es abschließen. Odins Ziehsohn Geirrod setzt seinen älteren Bruder Agnarr, der von Frigg aufgezogen wurde, aus, um König werden zu können. Odin und Frigg schließen darauf eine Wette ab, die seine Frau behauptet, Geirrod sei nicht gastfreundlich; so zieht der Alvater als Grimnir getarnt zu ihm. Geirrod wurde durch Frigg vor einem zauberkundigen Mann gewarnt und lässt ihn mehrere Tage festsetzen. Agnarr jedoch kümmert sich um ihn und so hält Odin im das Grimnirlied. Es handelt von mysthischen und mythologischen Orten, Wesen, Plätzen, und Dingen; auch Walhall wird genau geschildert:

Fünfhundert Tore und vierzig
Sind – wie ich meine- in Walhall;
Achthundert Einherjer gehen zugleich durch ein Tor,
wenn sie ausziehen, gegen den Wolf zu kämpfen. (Str. 23)

Ab Strophe 46 zählt Odin dann seine vielen verschiedenen Namen auf und gibt sich zu erkennen. Im prosaischen Abschluss stolpert Geirrod in sein eigenes Schwert, Odin verschwindet und Agnarr wird rechtmäßiger König.
Strittig ist die Datierung der einzelnen Liedteile; es könnte in zeitlicher Nähe zur Völuspá angesiedelt werden, was genau aber vor- und was nachchristliche Vorstellungen sind, kann nicht beantwortet werden. Zwar lässt sich die Sage von Odins und Friggs Ziehsöhnen schon im 7. und 8. Jh. finden, die Motivation für die Sammlung und Systematisierung heidnischer Stoffe fällt jedoch in die gelehrte Renaissance des 12. und 13. Jh.

Lieder Edda | Götterlieder: Grimnirlied