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Dieses Götterlied ist auch unter dem Namen ‚Wegtamlied’ bekannt. Von ihm sind nur 14 Strophen aus einer Handschrift überliefert, die einige Jahrzehnte nach dem Codex Regius entstanden ist. Da es jedoch übereinkommende Stellen mit der Völuspá und dem Thrymlied hat, muss es nicht zwingend zu den jüngeren Liedern gerechnet werden.
In Dialogform wird berichtet, wie Odin eine Seherin auf ihrem Grabhügel zum Leben erweckt und sie fragt, warum sein Sohn Baldr von bösen Träumen verfolgt wird. Von ihr erfährt er dann von seinem zukünftigem Tod, kann aber auch seinen Rächer benennen.

Schweig nicht Seherin, ich will dich fragen,
bis alles erfahrn ist, ich will noch wissen:
Wer wird wegen der Schreckenstat an Höd Rache üben,
und Baldrs Töter auf den Scheiterhaufen bringen?

Rind gebärt Wali in den Westsälen,
dieser Sohn Odins wird, eine Nacht alt, kämpfen;
die Hände wäscht er nicht und kämmt nicht das Haar,
eh er zum Scheiterhaufe trägt Balders Feindschützen.
Unter Zwang sprach ich, nun wird ich schweigen. (Str. 10,11)

Auch für dieses Lied kann keine genaue Datierung gegeben werden.

Lieder Edda | Balders Träume