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In diesem Lied spielt kein Gott sondern der weise Zwerg Alwiss die Hauptrolle. Hier wird wieder Wissen in Form des Dialogs weitergegeben; der Zwerg will die Tochter Thors heiraten, doch muss er sich erst als geeignet beweisen, und hierfür muss er sein Wissen unter Beweis stellen. Thor, welcher sonst nicht als ‚intellektueller Ase’ bekannt ist, hält ihn mit listigen Fragen hin und so erstarrt der Zwerg bei Sonnenaufgang zu Stein. Inhaltlich fragt Thor nach den verschiedenen Namen, welche die Götter, die Riesen, die Alben und die Zwerge für menschliche Begriffe wie Sonne, Wolken, Windstille, Meer, Feuer, Bier etc. haben; der Zwerg nennt je fünf Umschreibungen, entweder im Heiti (eingliedriger bildhafter Ausdruck im Stabreim) oder im Kenning.

Sag mir Alwiss – alle Schicksale der Wesen
Weißt du, Zwerg, denk ich -,
wie die Wolken hießen, die sich mit Regenschauern mischen
in jeder Welt.

Wolken heißen sie bei den Menschen aber Schauerhoffnung
bei den Göttern,
die Wanen nennen sie Windschwimmer,
Regenhoffnung die Riesen, die Alben Wetterkraft,
in der Hel nennen sie sie Helm des Verhüllten. (Str. 17,18)

Da es sich hier aber mehr um ein poetologisches Verzeichnis handelt, wird es nicht zur mythischen Wissensdichtung gerechnet sondern eher zur Skaldenlehren wie in der SnE. Datiert wird es i.d.R. in das späte 12., beginnende 13. Jh. und gilt als Beispiel für das dichterische Interesse der Isländer.

Lieder Edda | Götterlieder: Alwisslied