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Bereits gegen Ende des zehnten Jh.s wurden bereits verschiedene Versuche unternommen, das Christentum in Island einzuführen.
Hin und wieder kam ein Missionar auf die Insel, doch nahmen die Einwohner Islands wenig Notiz davon und ließen diese gewähren, solange sie sich nicht gewalttätig aufführten.

Der norwegische König Olaf Tryggvasson, der die Christianisierung in seinem Land äußerst brutal und vehement vorantrieb um eigene Herrschaftsansprüche zu festigen, schickte den in Sachsen bekehrten Isländer Thorvald nach Island. Dieser erschlug jedoch auf einer Thingversammlung zwei Männer, die ihn verspottet hatten. Auch brachte seine Missionierung keinen sichtbaren Erfolg - schließlich musste Thorvald das Land verlassen.
Daraufhin drohte der norwegische König, alle sich in Norwegen befindliche Isländer zu töten oder zu verstümmeln. Zwei Isländer konnten ihn jedoch milder stimmen und sie erhielten die Gelegenheit, noch einmal auf ihre heidnischen Landsleute einzuwirken.

Als die Gesandten im folgenden Sommer (1000) das Allthing erreichten, wurden sie beinahe von den Isländern erschlagen, da diese um ihre Mission wussten.
Es kam zu einer gefährlichen Situation, beide Seiten - Christen und Anhänger des alten Glaubens - standen sich gegenüber. Dieses Zerwürfnis drohte die Ordnung des isländischen Zusammenlebens zu zerstören.
Nun war es Aufgabe des Gesetzessprechers, eine Lösung zu finden, die von beiden Seiten akzeptiert werden konnte. Er wusste, wenn sich nicht alle Isländer den gleichen Gesetzen und Regeln verbunden fühlten, würde es zu Zwietracht und Gewalttaten führen: "... so daß beide Teile in etwas ihren Willen bekommen, alle aber ein Gesetz und Glauben haben. Es wird sich bewahrheiten, daß, wenn wir den Gesetzesverband zerreißen, wir auch den Frieden zerreißen".
Zudem drohte noch die Gefahr aus Norwegen in der Gestalt Olaf Tryggvassons.

So gesehen war die Anerkennung des christlichen Glaubens im Jahre 1000 eher politisch pragmatisch motiviert denn religiös. Die alten Praktiken und Bräuche wurden zwar offiziell verboten, doch durften sie, solange es heimlich geschähe, weiter ausgeübt werden.

Lit.:
- Kaufhold, Martin: Europas Norden im Mittelalter. Die Integration Skandinaviens in das christliche Europa (9.-13. Jh.). Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2001.
Zitat: Ebd. S. 78.

Island | Christianisierung